Fadenhafen: drei lesbare Ebenen
Eine fiktive Hafenstadt bekommt einen Stadtnamen, zwei Bezirke und eine nachvollziehbare Wegbeschreibung. Entscheidend ist die Unterscheidung im Gebrauch.
Fiktive Gestaltungsstudie. Keine Kundenreferenz, keine historische Ortsbeschreibung und kein Bericht über einen durchgeführten Nutzertest.
Das Briefing
Wir entwerfen ein kleines Erkundungsspiel am Fluss. Die Stadt stellt Seile her; der Fährverkehr verbindet ihre beiden Ufer. Auf der Startkarte sollen Stadt, Gewerbebezirk und Verwaltungsbezirk schnell auseinanderzuhalten sein. Die Handlung dreht sich um einen Fahrplan, dessen farbige Linien als Garn auf Spulen gewickelt werden. Ein falsch verbundenes Garn führt zur falschen Abfahrtszeit.
Die verworfene Richtung
Zunächst stehen Goldhafen, Sonnenhafen und Glanzhafen auf der Liste. Die Wörter passen zur warmen Farbwelt, erklären aber weder das Handwerk noch das Fahrplanproblem. Außerdem nutzen alle drei Varianten dieselbe allgemeine Wertung: Der Ort soll angenehm oder bedeutend wirken. Wir suchen stattdessen einen Namen, der einen konkreten Gegenstand in die Welt stellt.
Warum Fadenhafen bleibt
Faden führt zum Garnplan, Hafen zur räumlichen Funktion. Die Verbindung ist verständlich, aber nicht vollständig selbsterklärend. Diese kleine Lücke ist nützlich: Eine Figur kann beim Aufwickeln eines Fahrplans den Namen beiläufig verständlich machen. Die Stadt braucht dafür keine lange Gründungslegende. Der Name wird als erfundener Entwurf verwendet; seine rechtliche Verfügbarkeit ist nicht geprüft.
Die Bezirke bekommen andere Anfänge
Garnkai ist das Arbeitsviertel, Uhrwinkel der Verwaltungsbezirk. Ein früherer Entwurf hieß Fadenkai und Fadenwinkel. Das wirkte zusammenhängend, machte die Namen in einer knappen Aufgabenliste aber schwerer unterscheidbar. Die neuen Formen behalten den sachlichen Zusammenhang und lösen sich gleichzeitig vom Stadtanfang. Für die Geschichte zeigt sich ein Gegensatz: Am Kai zählt der Zustand der Seile, im Uhrwinkel die festgelegte Abfahrtsminute.
Ein Weg muss ohne Karte funktionieren
Die erste Aufgabe führt vom Garnkai über den halben Bogen zur Taverne Zur zweiten Laterne. Jede Station liefert ein anderes Bild: aufgehängte Taue, eine unvollständige Brücke und zwei Fensterlichter. Die Wegbeschreibung kann damit mehr als Himmelsrichtungen aufzählen.
„Vom Garnkai bis zum halben Bogen. Dann mit der Fähre hinüber. Zwei Lichter im Fenster – dort musst du fragen.“
Die geplante Gegenprobe
Für eine spätere echte Spielprobe würden wir die Karte zunächst verdecken und nach dem Ziel der Wegbeschreibung fragen. Anschließend würden wir Stadt- und Bezirksnamen auf einer verkleinerten Karte vergleichen. Diese Studie berichtet kein bereits gemessenes Ergebnis. Sie zeigt, welche Beobachtung wir brauchen, bevor wir weitere Straßennamen nach demselben Muster ergänzen.
Was wir dokumentieren
Stadt: Fadenhafen. Bezirke: Garnkai und Uhrwinkel. Alltag: am Kai oder im Winkel nur bei eindeutigem Kontext. Das Projektblatt notiert außerdem die verworfenen Fadenformen und den Grund dafür. So kann eine spätere Erweiterung die Welt konsistent fortsetzen, ohne dieselbe Verwechslung erneut einzubauen.